Viele Informationen machen "schlumm"

Es ist wieder einer dieser Tage, wo man sich an die Arbeit macht um kurz danach noch schnell die "News" durchzugehen. Das Lesen von vielen Neuigkeiten macht nicht dümmer, aber sicher unproduktiv. Wie soll das denn passieren und was ist denn nun wichtiger. Ich versuch es mal zu erklären, wenngleich es nicht mehr als ein Versuch bleibt.

Worum geht es?

Das Thema bewegt mich seit 2015 sehr, da ich an jeder Ecke meines Daseins versuche produktiver zu werden und daher mal ganz genau hinsehe, was mich eigentlich umtreibt. Jetzt könnte ich vermutlich locker eine Stunde lang etwas darüber sagen und würde nicht fertig und ebenso würde es in kein klassisches Buchformat passen. Daher kann dieser kurze Ausschnitt auch nicht viel mehr werden, als ein kleiner Ausschnitt der versucht einen Teilaspekt isoliert zu beschreiben.

Es geht um die ständige Informationsflut, derer man sich hingibt, wenn man informiert sein möchte. Damit meine ich nicht einmal die üblichen verdächtigen wie Facebook, Twitter und Co, sondern die eher konservativen Informationskanäle, die man im beruflichen Alltag so hat. Bei mir sind das RSS-Feeds von verschiedenen Quellen zusammengetragen. Und wer im Umfeld der WebTechnik unterwegs ist und einen gewissen Anspruch an sich selbst hat, der wird wissen, wie viele ständig andere Informationen da so ertragen muss.

Wenn man diese Informationen nicht liest, wird man sehr zügig abgehängt und hat hoffentlich noch mehr zu bieten. Wer sie liest wird dadurch aber nicht immer nur schlauer, denn er erhält mehr Facetten der Wahrheit und damit immer mehr Angriffspunkte für den eigenen Standpunkt und dessen kritische Hinterleuchtung.

Kurz: Eigentlich müsste man sich im Monatsrhytmus anpassen und am besten alles bis dahin geleistete gleich mit.

Zudem unterbrechen uns ständig neue Informationen im Arbeitsablauf und den darin so wichtigen Konzentrationsphasen. Natürlich nur, wer es zulässt, aber egal wie man es angeht und zeitlich organisiert. Es unterbricht unser Gedankenmodell, weil Dinge hinterfragt werden, die man kurz vorher noch ganz anders geurteilt hat. Soll man jetzt umarbeiten oder ist es doch nicht so abwegig? Und schon ist man raus aus seinem "Run".

Was bedeutet denn "schlumm"

Viele Vorträge beginne ich mit einer Kernaussage die da lautet: "Mehr als 10% Objektivität kann keiner Wiedergeben" (oder so ähnlich). Es soll heißen, dass jede Informationsquelle überwiegend subjektiv ist. Das ist gar nicht mal als Vorwurf zu verstehen, denn ich möchte damit aussagen, dass auch meine "Meinung" nicht viel mehr als 10% Wahrheit beinhaltet. Das ist kein Vorsatz! Möchte man nun also eine fundierte eigene Meinung, braucht man folglich mindestens zehn unabhängige Quellen. Wem das zu abstrakt ist, muss sich nur mal historische Streitfälle vor Augen führen. Diese sind auf einen Punkt der Geschichte konzentriert und dennoch hat sich deren Darstellung über die Zeit nicht konstant verhalten. Nicht nur das unterschiedliche Quellen sich uneinig sind. Es sind sogar die Quellen selbst, die über die Zeit Uneinigkeit aussagen.

Je mehr Informationen ich nun aber zu einem Punkt in meinem Leben habe, desto besser müsste ich diesen ja beurteilen können. Und je besser ich diesen beurteilen kann, desto besser kann ich Entscheidungen fällen. Eine gewagte These, der ich nicht zustimmen kann. Top aktuell ist wohl der Brexit. Je mehr Informationen man zu diesem Thema sammelt, desto schlauer wird man. Keine Frage .. man ist irgendwann der Experte. Nun stellt sich eine einfache Frage. Wie beeinflusst der Brexit meine finanzielle Anlagestrategie. Die Frage selbst spielt keine Rolle und kann beliebig geändert werden. Obwohl ich nun der einzige Experte bin, der alles über den Brexit weiß, bin ich doch dumm, denn die Frage kann ich nicht valide beantworten. Ich bin sogar dümmer als vorher, denn die vielen Informationen machen es mir nun unmöglich auf mein Bauchgefühl zu hören. Mehr Informationen erzeugen ein mehr an "schlau" und "dumm" zugleich und machen daher "schlumm".

Das kann man verhindern

Nein eigentlich kann man dem nichts entgegenstellen. Keine Informationen machen definitv dumm. Zu viele Informationen machen wohl nach meiner Überlegung "schlumm". Damit liegt die Lösung in der "richtigen" Menge an Informationen und der "richtigen" Auswahl der Quellen. Was das dann bedeutet kann ich nicht schreiben. Sie brauchen mal mindestens zwei Quellen je Themenbereich, damit eine euphorisch und die andere kritisch sein kann. Wenn sie bermerken, dass eine Quelle etwas schwarz/weiß zeichnet, dann ist dies ein sicheres Anzeichen für die falsche Quelle, denn das Leben ist grau .. sogar in der schwarz/weiß Fotografie überwiegen die Graustufen. Zu einfache Antworten auf komplexe Umstände sind nett, aber immer falsch. Zu komplexe Antworten sind aber nach meiner These nicht immer besser, wenngleich sicher fundierter.